Freitag vor einer Woche haben sich 8 Deutsche mal wieder auf die lange Reise für ein Wochenende begeben. Ziel diesmal Lesotho, höchstes Königreich mit keinem Punkt unter 1000m Höhe. Auf denn 500km bis zur Malealea Lodge im Herzen des Landes durften wir zuerst die unendliche Weite Free States kennenlernen. Weiden so weit das Auge reicht, aber kaum Fiecher drauf. Doch dank der Regenzeit alles herrlich grün und ansehnlich. Spätestens nach dem Grenzübertritt um halb 9 wussten wir wie gut die Entscheidung war Nadines Navi mitzunehmen. Denn gesamt Lesotho, einschliesslich der Hauptstadt Maseru sind nachts stockdunkel! Kein Licht erleuchtet die nicht vorhandenen Straßenschilder und sso wäre das Navigieren doch etwas schwierig geworden. Doch danke dem Navi, dass sogar unsere Lodge kannte sind wir wohlbehalten um kurz vor 11 angekommen und konnten unsere Hütten beziehen.
Nachdem man bei Nacht natürlich die Aussicht und Landschaft nicht sehen kann, sondern nur anhand der viele Kurven, Steigungen und 8km Schotterpiste zum Schluss erahnen kann, war das Aufschlagen der Augen am kommenden Morgen um so spannender und faszinierender. Malealea, ein Dorf und eine Lodge, bzw. eine Lodge und ein Dorf dazu liegen in einer Hochebene mitten in den lesothischen Bergen, ringsrum über 2500m hohe Berge mit einer karge, grünen Landschaft. Alleine der Ausblick hat die Fahrt schon lohnenswert gemacht.
Zwei Eier, Speck und Toast später ging unser sechsstündiger Ausritt durch die Berglandschaft auch schon los. Für Unbeteiligte muss es ein lustiger Anblick gewesen sein, wie ich alias Ludger Beerbaum II das Pferd erklommen habe. Doch einmal fest im Sattel sitzen kam schnell das erhobene Gefühl des Reiters auf. So müssen sich Ritter gefühlt haben, Lucky Luck und tausende 12jähriger Mädchen... "Auf geht's, Jolly Jumper, lass uns in den Sonnenuntergang reiten..." I'm a lonesam Cowboyyyyyyy......
Gesagt getan, Zügel in die Hand, Kuplung treten, erster Gang rein und... hüaaaaaa. ... nichts ... HÜÜÜÜAAAAAA .... nichts. Hm, Ladehemmungen, Mist! Schnell wurde mir auch klar, wieso sich da so viele Einheimische als Führer angeboten haben und nach mehrmaligen Anfahrtsversuchen war ein Junge auch engagiert. Komische Pferde, aber hinter ihm ist es schön brav hergetrottet. Naja, vielleicht auch besser so, denn ich hatte mehr Zeit die Aussicht zu genießen und der Weg war relativ schnell ziemlich "waghalsig". Ein Glück hatte mein Gaul einen sicheren Tritt und hat sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Schnautze dem Vorderpferd in den Allerwertesten gerammt und immer hinterher. In dieser Formation sind wir ein atemberaubendes Tal entlanggeritten und schließlich am ersten Ziel, einem Wasserfall angekommen. Absteigen, nochmal 500m wandern, runter unters kühle Nass, trocknen und wieder zurück zu den Pferden. Nach nunmehr 2.5 Stunden unter brütender Sonne im Sattel war auch ich so weichgekocht und per Du mit meinem Gaul (Name: No way), dass ich die Zügel zum zweiten Mal selber in die Hand genommen habe. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht auch hinbekommen würde!!! Gesagt getan hat No way diesmal sogar auf mich gehört und sich in Bewegung gesetzt. W
Nach einer weiteren Stunde Sonnenbrüten war das zweite Ziel erreicht, 20.000 Jahre alte Höhlenmalereien. Das Alter glaube ich jetzt einfach mal unserer einheimischen Führerin, weitere Nachfragen über Herkunft, Bedeutung oder gar womit hier gemalt wurde wollte sie uns aber nicht beantworten. Nur ein Schelm vermutet Unwissenheit...
Das selbe Tal hat uns auch noch ermöglicht "Hallo Echo" zu rufen und fast "Hallo Otto" zurueckzubekommen. Mehr gab's da aber auch nicht. Also wieder rauf auf die Vierbeiner und die letzten 2.5 Stunden zurück zur Lodge.
Nach insgesammt 6 Stunden Reiten sind wir mit aufgescheuerten Allerwertesten, leicht geröteten Gesichtern (ich hab inzwischen die 3 Hautschicht meiner Ohren verloren), verbranntem Hirn, halb verdurstet aber glücklich und begeistert aus den Satteln gestiegen.
Der restliche Abend wurde damit verbracht den Elektrolythaushalt mit unterschiedlichsten Getränken wieder aufzufüllen, das mitgebrachte Fleisch zu verzehren und vorallem Sitzpositionen zu finden, die mehr als 2 Sekunden auszuhalten waren. Gar nicht so einfach ;-)
Der Sonntag stand dann im Zeichen ausgiebigen Frühstückens, Aussicht genießends und relaxens. Erst zur Mittagszeit haben wir uns wieder auf den Weg gemacht um noch ein Mittagsessen in der Hauptstadt Maseru, typisch afrikanisch ohne wirklich Highlights aber mit viel Stimmung, zu verzehren und schließlich die letzten km nach Joburg zurückzulegen.
Wer auf Bergwelt und Reiten steht hat in Lesotho sein Paradise gefunden. Ich hoffe, dass die Bilder noch besser zeigen können, wie es wirklich war. Außerdem habe ich damit den letzten weissen Punkt auf meiner Karte des südlichen Afrikas gefüllt. Südafrika, Swaziland, Lesotho, Namibia, Botswana, Zimbabwe, Mozambique und Zambia sind hiermit bereist. Da ich mich aber damit nicht zufrieden gebe geht es kommende Freitag schon wieder los nach Kenia und Tanzania, Overlanding. Näheres dazu aber im neuen Jahr.
Da ich mich vorher hier wahrscheinlich nicht mehr melden werde wünsche ich allen Lesern meines Blog ein frohes Weihnachtsfest und einen um so besseren Rutsch ins neue Jahr. Ich für meinen Teil werde Heiligabend in der Serengeti verbringen und das neue Jahr auf Zanzibar begrüßen. Weihnachtsstimmung kommt da wohl eher weniger auf, aber dafür Urlaubsstimmung:-)
Wir sprechen uns kommendes Jahr wieder.
LG
Euer Ranger
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