Montag, 9. März 2009

14 Tage 4x4 durch Deutsch Suedwest

Also, wie versprochen mein Bericht ueber 14 Tage mit nem 4x4 durch deutsch Suedwest. Angefangen hat alles mal wieder mit einem Besuch des O.R Tambo International, seines Zeichens Flughafen Johannesburgs und inzwischen schon fast gar meine zweite Heimat. Bruder abholen stand auf dem Programm, denn meine letzten Stunden und Tage will ich natuerlich mit Blutsverwandschaft teilen. Ueberraschend schnell und puenktlich kam er mir also am Freitag abend entgegengestapft. Kurz nach Hause, nochmal 5 Stunden Schlaf mitgenommen ging es am Samstag zu unmenschlicher Zeit los Nadine und Hannes einzusammeln um unseren Flug nach Windhoek zu erreichen. Leider, dummer Weise, ich koennte mich selber in den Allerwertesten treten, hatte ich am Vorabend nicht nachgeschaut, ob unser Flug denn auch puenktlich gehen wuerde, so wurden wir unvorbereitet von der Anzeige erwischt, dass statt um 7 Uhr erst um 12 Uhr Abflug sei. *Ufff* Um die unverhofften 5 Extrastunden auch sinvoll zu nutzen hatten wir uns entschieden trotzdem gleich einzuchecken und den Vormittag in einer nahegelegenen Mall zu verbringen.

Um 12 Uhr ging dann aber wirklich die Reise los und kurze zwei Stunden spaeter sind wir in Windhoek gelandet. Unseren 4x4 Mietwagen mit zwei Dachzelten konnten wir auch gleich uebernehmen und los ging die Fahrt. Den ersten Tag in Windhoek haben wir eigentlich nur mit einkaufen und einer Stadtbesichtigung verbracht, viel Zeit war ja nicht mehr. Sonntag ging es dann aber richtig los. Ziel war das ca. 600km entfernte Keetmanshoop, bekannt fuer seine Kookerbooms. Auf dem Weg dort hin konnten wir bereits die ersten offroad Erfahrungen machen, denn die von uns gewaehlte „Strasse“, „Weg“ oder besser Pfad war groesstenteils durch den Regen aufgeweicht bis weggespuelt und die Durchquerung zweier Flussbetten hat ihr uebriges zum Spass beigetragen. Am Ende des Tages war dann eindeutig bewiesen, dass der Allrad fehlerfrei funktioniert und auch gebraucht wird und puenktlich zum Sonnenuntergang sind wir an unserem vollkommen verlassenen Campingplatz mit Outdoordusche und Klo angekommen. Genau so hatte ich mir Namibia erhofft und vorgestellt, tagsueber Spass am Fahren, Natur, Tierwelt und abends mitten im Nirgendwo Campen.

Nach einer weiteren Nacht unter einem klaren, gigantischen Sternenhimmel ging die Reise weiter in den Sueden des Landes. Dieser zeichnet sich vorallem durch seine Kargheit und Trockenheit aus. Kilometer um Kilometer faehrt man an nichts als Wueste vorbei, doch die Aussichten sind immer wieder genial. Auf halber Strecke konnten wir uns von der Hitze an einem Staudamm erholen und Hannes und ich sind kurzerhand ins Wasser gehuepft... ein Traum sag ich euch!
Noch n paar Kilometer weiter hatten wir es geschafft, Ankunft am Fish River Canyon. Zweit groesster Canyon der Welt mit einer Laenge von 160km, bis zu 27km breit und knappe 550m tief. Ich lasse die Bilder mal wieder fuer sich sprechen. Uebernachtet haben wir im Canyon im Ai-Ais Camp. Wieder mal komplett alleine, denn eigentlich ist das Camp nach einer Komplettrestaurierung noch gar nicht eroeffnet. Doch in Afrika ist eben nichts unmoeglich ;-) Ganz alleine waren wir doch nicht, denn bei Ankunft um 18 Uhr hatte es angenehme 41 Grad im Schatten, um 20 Uhr noch ca 35 Grad und morgens um 6 kuehle 25. Um 7.30 standen aber wieder die 35 mit steigender Tendenz zu Buche, ihr seht, die Hitze war immer unser BegleiterJ

Weiter ging es durch die Wuestenlandschaften des Suedens durch’s Orange River Tal. Ok, die Einfahrt ins Tal war durch ein Schild gesperrt (Road closed), aber wir hatten ja extra im Camp nachgefragt und die meinten wir koennten bedenkenlos durchfahren. Gesagt, getan hatten wir auch bald den vermeintlichen Grund fuer die Sperrung gefunden, Strassenarbeiten. Die waren aber auch kein Hindernis, also ging es weiter.... und weiter durch ein sehr gruenes Flusstal.... und ups, da fehlt eine Bruecke. Tja, nach knappen 100km hatten wir dann das wirkliche Hindernis erreicht, denn der Orange River hat hier leider die Auf- und Abfahrten einer Bruecke vernichtet und war anstatt normaler 3 Meter schlappe 30 Meter breit. Wir sind zwar mutig, aber nicht lebensmuede, also hiess es trotz 4x4 rumdrehen, zurueck zum Camp fahren und von dort auf ein Neues den langen Umweg fahren. So wurden aus geplanten 500km schlappe 760 an einem Tag.... autsch.

Ziemlich erschoepft kamen wir in Luederitz am Meer an. Bekannt als DIE Diamanten Stadt der Welt wurde Luederits zu Beginn des 20 Jarhunderts von deutschen Siedlern gegruendet. Der gesamte Kuestenstreifen suedlich der Stadt ist Sperrgebiet und gehoert der Diamantenfirma Namibias und auch heute werden hier reichlich Diamanten gefoerdert. Allerdings nicht mehr ganz so einfach, wie bei der Entdeckung, damals war es naemlich moeglich im Sitzen ueber 100 Karat an Diamanten in Reichweite der Arme zu sammeln. Ich sass an so vielen Stellen und hab gesucht, aber sorry Steffi, ich hab wirklich keinen gefunden J
Gleich hinter bzw. vor Luederitz ist Kolmannskuppe, ehemalige Graeberstadt und inzwischen eine Geisterstadt, die die Wueste such zurueckholt. Die meisten Gebaeude sind teilweise oder vollstaendig vom Sand gefuellt, aber man kann trotzdem sehr gut sehen, wie das Leben frueher mitten in der Wueste gewesen sein muss. Ausserdem haben wir von einer Fast-Zeitzeugin eine gute Fuehrung in bluetend reinem Deutsch bekommen. Tja, es hiess nicht um sonst Deutsch Suedwest Afrika frueher :-)

Nach einer weiteren Uebernachtung mitten im Nirgendwo auf einer Farm sind wir in Sessriem / Sossousvlei, Tor zur Namibwueste, angekommen. Beides weltbekannt fuer die Duenen und die Sonnenuntergaenge ueber diesen. Gleich nach Ankunft haben wir uns also auf die 65km lange Strecke in den Nationalpark gemacht um grad noch rechtzeitig vor dem Untergang an Duene 45 anzukommen. Die Besteigung dieser hat sich als wahrlich anstrengend erwiesen, man stelle sich vor: 1 Schritt vor und der Sand rutsch wieder mindestens einen halben Schritt zurueck! Daher gab es auf halber Strcke auch herbe Verluste in der Reisegruppe und nur Hannes und ich haben es bis zum Gipfel geschafft. Immerhin schlappe 170m hoch! Wurden jedoch sogleich mit einem fasinierenden Farbenspiel des roten Sandes und der Sonne belohnt. Nach einer Flatterviehreichen Nacht ging es am kommenden Tag die ganze Strecke bis zum Ende der Strasse nach Sossousvlei. Hier schliesst sich der Halbkreis aus Duenen und Sand und man ist komplett davon umgeben. Vier Deutsche kamen sogleich auf die wunderbar, hochintelligente Idee um Punkt 12 die Besteigung einer weiteren Duene in Angriff zu nehmen..... in Flip-Flops! Not good! Denn wie man aus Erfahrung wissen erhitzt Sonneneinstrahlung den Untergrund.... auf schlappe, geschaetze 50 Grad. Ich konnte wenigstens die ganze Zeit meine Flip-Flops als Minimalschutz anbehalten, da ich den Grad entlanggewandert bin. Die anderen wollten quer einsteigen, ein paar Meter sparen und haben es mit ziemlich verbrannten Fuessen bezahlt. Merke: Erklimme niemals mittags eine Duene ohne gescheites Schuhwerk. Der Ausblick von oben hat sich aber trotzdem mehr als gelohnt, wie die Bilder vielleicht zeigen.

Am folgenden Tag ging die Reise weiter entlang der Namib nach Swakopmund, zweitgroesste Stadt Namibias und sicherlich groesste deutsche Stadt ausserhalb Deutschlands (ok, Palma vielleicht noch ;-) ) Hier haben es sich Hannes und ich nicht nehmen lassen in die Fluten des Atlantik zu springen. Der war sooo kalt, naemlich 15 Grad, aber wat mut dat mut. Der folge Tag begann mit einem kleinen Schock fuer mich, denn Herman, unser Guide fuer den Tag war etwas ueberrascht, als ich morgens anrief. Ich hatte naemlich alles fuer den Tag vorher gebucht.... ups. Dank der namibisches Gelassenheit und Flexibilitaet wurde aber einfach alles kurz umarrangiert und wir konnten unseren Tag wie geplant erleben. Der Vormittag wurde an Bord eines Catamarans in der Walvis Bay verbracht. Pelikane, Seals, Austern, doch leider keine Delphine waren mit von der Partie. Im Anschluss wurden wir dann von Herman und seinem Defender abgeholt und es ging ab in die Namibwueste. Nur Sand um uns rum, unglaublich steile Duenen hoch und runter und natuerlich das obligatorische Sandboarding. Das zweite mal, dass ich einen so genialen Tag erleben durfte und auch das Quadbiken am kommenden Morgen haben wir durchgezogen. Was ein Spass!!!

Nach so viel Action ging es fuer die zweite Woche hoch in den Norden des Landes. Zwei Naechte haben wir in der Region Damaraland verbracht und auch hier durften wir uns mehrmals am Tag durch Flussbetten und weggewaschene Strassen kaempfen. Ende dieser Fahrt war das Gate zum Etosha Nationalpark. Hier hatten wir eigentlich darauf gehofft viel Game zu Gesicht zu bekommen, wurden aber ziemlich enttaeuscht. Durch die starken Regenfaelle in den vergangenen Wochen sind die Tiere nicht gezwungen die vorhandenen Wasserloecher aufzusuchen, sondern koennen ueberall im Park trinken. Nur im Norden bekamen wir Zebras, Gnu’s, Springbocks, Giraffen und ganz zum Schluss noch drei Elefanten zu sehen. Im Vergleich zu meinen anderen Erfahrungen aber eine enttaeuschende Ausbeute. Nichtsdestotrotz noch ein schoener Park in Afrika.

Zum Abschluss der drei Wochen goennten wir uns dann eine Uebernachtung in zwei netten Challets am Waterberg. Eine sehr weise Entscheidung, denn keine 30min nach unserer Ankunft ist die Apokalypse ueber uns reingebrochen. Gewitter Sturm und so viel Regen, dass selbst die paar Meter vom Auto zum Restaurant ausreiched waren um zu duschen. Die Aussicht am kommenden Morgen von der Kante des Plateaus lies jedoch nichts mehr vom Weltuntergang erahnen. Einfach genial!!!

Insgesammt sind wir in 15 Tagen schlappe 4763km durch vollkommen unterschiedliche Landschaften gefahren. Der Sueden trocken und karg, der Norden feucht und in sattem Gruen. Ein gebuehrender Abschied aus Afrika fuer mich und wenn’s in Deutschland mehr offroad Strecken gebe, ich wuerde mir sofort ein 4x4 kaufen J

Es gruesst euch mal wieder
Euer Ranger

1 Kommentar:

Änk hat gesagt…

Heieiei, Simon. Ich glaube, ich drucke mir deinen Blog einfach aus, dann hab ich schonmal den Reiseführer für den nächsten Urlaub :-) ICh freu mich auf eine lustige nächste Woche!
Und nun muss ich aber nochmal an den Strand, wie soll man sich sonst bei 30 Grad abkühlen?
Bis Montag, guten Flug, Anke